Drei Bürgermeisterkandidaten bewerben sich um die Nachfolge von Christian Köck. Bei einer Podiumsdiskussion stellten sie sich den Fragen von Redaktionsleiter Stephen Hank.

Rottach-Egern – Keine zehn Minuten nach Einlassbeginn kniff Peter Flach, zuständig für die Abläufe im Seeforum, das erste Mal mit leiser Sorge die Augen zusammen. 390 Sitzplätze standen im größten Saal der Gemeinde für die Podiumsdiskussion der Bürgermeisterkandidaten bereit, und die wurden bedenklich schnell knapp. Ein paar Stehplätze nahe der Tür konnte Flach noch verantworten, doch mehr als 400 Menschen im Saal erlaubt der Brandschutz nicht. So blieb nichts anderes übrig, als den Haupteingang schon vor Veranstaltungsbeginn dichtzumachen, womit einige Interessierte keinen Einlass mehr fanden.

„Wir sind von der Resonanz überwältigt“, erklärte Redaktionsleiter Stephen Hank, der die Diskussion moderierte. Das galt auch für die drei Kandidaten, die allesamt aus ihrer Freude über den Zuspruch keinen Hehl machten. Es waren dies Sebastian Kölbl (CSU), Michael Mayr (Grüne) und Stefan Niedermaier (Blitz). Sie alle treten an, um den Platz des amtierenden Bürgermeisters Christian Köck (CSU) einzunehmen. Dessen Stuhl blieb an diesem Abend übrigens frei. Zumindest so lange, bis klar war, dass Köck nicht kommen würde, um die Debatte zu verfolgen.

An Gefolgschaft fehlte es CSU-Vertreter Sebastian Kölbl (32) aber absolut nicht. Der Ortsverband war stark vertreten, hatte einen Info-Stand aufgebaut und nutzte jede Gelegenheit, den jungen Kandidaten mit äußerstem Engagement zu unterstützen. Sowohl Kölbl als auch Niedermaier (53) wurden zudem von stolzen Vätern begleitet. Der CSU-Kandidat vom früheren CSU-Gemeinderat Karl Kölbl, der Bewerber für die Bürgerliste Blitz von Ex-Bürgermeister Konrad Niedermaier (CSU).

„Ich bin familiär vorbelastet“, machte Sebastian Kölbl in der Vorstellungsrunde auf dem Podium deutlich. Der Vater Gemeinderat, die Mutter Kreisrätin: „Ich habe gesehen, dass man was bewegen kann.“ 2020 hatte Kölbl im Gemeinderat den Platz eingenommen, den der Vater ganze 24 Jahre lang innehatte. Aktuell ist der junge Kandidat bei Giesecke & Devrient angestellt, als Performance-Manager.

Auch Niedermaier ließ keinen Zweifel daran, dass das väterliche Vorbild eine Inspiration ist. „Es sind große Fußstapfen, Papa“, sagte er mit Blick in den Zuhörerraum, wo der Senior gerührt lächelte. Allerdings hat Niedermaier sich Zeit gelassen, nach dem Bürgermeisteramt zu streben. „Vor zehn Jahren hätte ich gesagt: niemals“, räumte der begeisterte Sportler auf dem Podium ein. Zu viel Bewegungsdrang, zu kleine Kinder, zu viel Verantwortung im familieneigenen Elektrobetrieb.

Inzwischen sind die Kinder groß, die ganze Familie steht hinter der Kandidatur als Bürgermeister. Aber anders als der Vater tritt Niedermaier nicht für die CSU an, sondern für die Bürgerliste Blitz. Die sei 2019 gegründet worden, um frei für den Ort agieren zu können, unbeeinflusst vom Druck einer großen Partei, machte Niedermaier deutlich.

Anders als seine beiden Mitbewerber ist Spenglermeister Michael Mayr kein Ur-Rottacher, sondern in Hausham aufgewachsen. In den Rottacher Gemeinderat ist er 2022 nachgerückt. Eine Bürgermeisterkandidatur hätte man eher von seinem Fraktionskollegen Thomas Tomaschek erwartet, doch der will lieber Landrat werden. Ganz spontan habe er sich entschieden, selbst als Bürgermeisterkandidat anzutreten, ließ Mayr wissen. „Warum soll ich Hinterbänkler bleiben? Da gehe ich doch lieber gleich ganz nach vorn.“

In der Diskussion präsentierten sich alle drei Kandidaten mit frischen Ideen, egal ob es um das große Thema Tourismus ging oder um ein neues Hallenbad fürs Tegernseer Tal, um den Verkehr, Bürgerbeteiligung oder Transparenz. Die Stimmung: durchaus harmonisch. Keine bösen Spitzen gegen die Mitbewerber, keine Geschichten aus der Mottenkiste, kein lautes Wort. Am Ende verbuchten alle drei Kandidaten den Abend als Erfolg. Die Diskussion sei „fair geführt worden“, stellte Niedermaier fest, und befand sich damit auf einer Linie mit Kölbl. Die verschiedenen Facetten und Schwerpunkte seien deutlich geworden, meinte der CSU-Mann, und auch sein Grünen-Kollege Mayr lobte den offenen Austausch: „Genau dieser Dialog macht unsere Demokratie aus.“

Wer sich schon für einen Bürgermeisterkandidaten entschieden habe, wollte Redaktionsleiter und Moderator Stephen Hank vor Beginn der Podiumsdiskussion vom Publikum wissen. Nur wenige Hände hoben sich. „Da geht noch was, meine Herren!“, ermunterte Hank die drei Bewerber ums Bürgermeisteramt, sich ins Zeug zu legen.

Wie viele der rund 400 Besucher im Saal nach der Diskussion nun sicher sind, hinter welchem Namen sie bei der Bürgermeisterwahl ihr Kreuzchen machen werden, lässt sich nicht feststellen. Mit einer Online-Abstimmung wollten wir zumindest eine Tendenz erkunden. Die Frage, welcher Kandidat sie heute am meisten überzeugt hat, beantworteten 198 Besucher. Ergebnis: 87 Stimmen (43,94 Prozent) für Stefan Niedermaier, 80 (40,4 Prozent) für Sebastian Kölbl, 31 (15,66 Prozent) für Michael Mayr.

Die Online-Abstimmung wurde kurz nach Ende der Veranstaltung bereits geschlossen. Dies deshalb, weil sich bei der ersten Podiumsdiskussion unserer Zeitung in Hausham gezeigt hatte, dass die Zahl der abgegebenen Stimmen die der Besucher überstieg. Abstimmen sollen aber nur Teilnehmer, die die Debatte wirklich live erlebt haben.

Dieser Bericht erschien in der Ausgabe der Tegernseer Zeitung vom 21.1.2026